Die Jesuiten im Rohrberg

Im Buch „300 Jahre Kollegium Brig“ schreibt Josef Guntern :
„Im Jahre 1822 mieteten die Jesuiten im Rohrberg ein Landhaus, das ihnen als Ferienaufenthaltsort diente. Durch die Schenkung des Jesuitenpaters Alois Arnold (1803–1865) wurde es 1834 ihr Eigentum.“

Der jesuitenorden

Jesuiten , Name der Mitglieder eines 1534 durch Ignatius von Loyola gegründeten katholischen Ordens, der sich besonders auf Glaubensverbreitung, Schulwesen, Heidenmission und Wissenschaft widmet, steht im Lexikon.

wie kamen die jesuiten ins wallis

Im Frühjahr 1607 war der Bischof Adrian II. von Riedmatten bereit, die Jesuiten im Wallis aufzunehmen. Am 7. Juni eröffneten 2 Patres und ein Bruder aus dem Luzerner Kollegium in Ernen eine Lateinschule. In den folgenden Jahren wurden Jesuitenschulen in Sitten und Venthône eröffnet. Im Mai 1625 siedelten vier Patres und ein Bruder von Venthône nach Brig und unterrichteten im Gymnasium. In den politischen Unruhen der kommenden Jahre wurden die Jesuiten mehrmals aus dem Wallis vertrieben, weil sie viele Unzulänglichkeiten der Regierung anprangerten. Sie kehrten aber immer wieder zurück und fanden wieder Aufnahme im Kollegium Brig, das ihnen am 18. Dezember 1686 urkundlich übergeben wurde. Nach dem Sonderbundskrieg von 1847 beschloss die eidgenössische Tagsatzung die Jesuiten auszuweisen. Die radikale Regierung des Wallis zögerte nicht lange und beschloss mit einem Dekret vom 9. Dezember 1847 die Jesuiten auszuweisen und ihr Vermögen dem Staatseigentum einzuverleiben.

Der kapellenbau im rohrberg

In einem Stimmungsbild aus dem Internatsleben im Kollegium Brig schildert der Turmänner Pater P. Moritz Meschler S.J. (1830–1912), dass die Sommerferien auf dem Landgut Rohrberg für die Jesuitenpatres eine wahre Herrlichkeit waren. Den Patres aber fehlte eine Kapelle. Bereits in den Sommermonaten von 1822 fassten die Jesuiten den Plan im Rohrberg eine Kapelle zu bauen. Der Bau sollte volle zehn Jahre dauern.

Der Rohrberg erhielt eine beachtliche Kapelle. Auf einer Maiensäss eine Kapelle in dieser Grösse vorzufinden, erstaunt männiglich und ist beeindruckend. Die Kapelle ist 15 m lang, 8 m breit und 12 m hoch. Das 10 m lange Schiff bietet für ca. 100 Personen Sitzplätze und hinten steht eine Empore. Der Kalk, der als Zement Ersatz diente, wurde mit Schlitten von den Felsen der „Weissen Fluh“ geholt. Die Fenster- und Türrahmen zieren 3–4 m lange, zentnerschwere Granitsteine, die nur aus den Steinbrüchen des benachbarten Domodossola stammen können. Der Transport dieser Marmorsteine bis in den Rohrberg war eine Meisterleistung der damaligen Zeit. (Der Simplontunnel wurde erst 70 Jahre später gebaut.)

 

Mgr. Dionys Imesch (1868–1947), der Verfasser der Kollegiumsgeschichte von 1912, berichtet, dass der Bau der Kapelle im Rohrberg 8000 Franken kostete. Die französischen Jesuitenpatres, die nach der Julirevolution von 1830 in Frankreich ausgewiesen wurden, flüchteten zu den Ordensgenossen nach Brig, wo sie drei Jahre blieben. Als Dank für ihre Aufnahme in Brig stifteten sie den marmorierten Mutter Gottes Altar im Rohrberg. Die Kapelle wurde 1832 eingeweiht. Ueber dem Chor steht in einem Stuckmedaillon EXVOTO MDCCCXXXII (geweiht 1832).

die güter der jesuiten im rohrberg

Mit dem Dekretsbeschluss vom 9. Dezember 1847, welcher die Jesuiten aus dem Kanton Wallis auswies und ihr Vermögen dem Staatseigentum einverleibte, ernannte die Regierung K. Theiler und Fumeaux zu Kommissären über die ehemaligen Güter der Jesuiten in Brig. Ihr Auftrag ging vorerst dahin, unverzüglich das Inventar der Mobilien und der Güter aufzunehmen. Als Güter der vertriebenen Jesuiten bezeichnete Theiler unter anderem auch das Gut am Rohrberg mit Gebäulichkeiten und Weiden.

Als der Staatsrat am 28. März 1851 das Rohrberggut zur Versteigerung ausschrieb, wehrte sich die Gemeinde Brig mit Erfolg, weil es ein Legat von Pater Arnold war. Nach dem Willen des Stifters sollten Erträge des Rohrberggutes zugunsten der Stadt Brig, zum Unterhalt der Kirche und ihres Gottesdienstes verwendet werden.

Das Rohrberggut wurde später dennoch verkauft. Der Staat Wallis hat trotzdem nach dem Verkauf des Rohrberggutes für die Erfüllung der mit diesen Gütern verbundenen frommen Verpflichtungen gesorgt. Seit 1848 trägt der Staat die Kosten für notwendige Reparaturen und hat für jährlich 3 Messen auf dem Rohrberg zu sorgen. Bis 1980 haben Professoren des Kollegiums diese 3 Messen gelesen. 1948 erhielt die Kapelle ein neues Kupferdach. In den folgenden Jahren wurden innen und aussen weitere Renovationen vorgenommen. Diese Arbeiten finanzierte der Staat Wallis, der damit seinen Verpflichtungen nachgekommen ist.

 

Die Nachfolger des Jesuitengutes können im vergilbten Rechnungsbuch der Rohrbergeri von 1825 einwandfrei eruiert werden. Heutiger Eigentümer des Kapellenhauses ist Familie Imhof, Gamsen.