Zwischen Visp und Brig, auf der linken Talseite der Rhone, über Gamsen, liegt die Alpe Rohrberg. Sie gehört zum Territorium der Stadtgemeinde Brig-Glis und ist nicht während des ganzen Jahres bewohnt. Grössere Siedlungen entstanden meist auf der Sonnenseite des Rhone Tales. Die nutzbare Fläche beträgt 22 Hektaren Wiesland. Das Gebiet ist umwaldet und steigt von 1130m ü.M. bis auf eine Höhe von 1280m ü. M.
Der Name Rohrberg stammt von Rohrflüe oder dem Rohrsee, zwischen Gamsen und Eyholz gelegen, dort wo die Lonza heute eine Deponie besitzt. Der See war stets stark mit Schilfrohren belegt. Über diesem Gebiet liegt der Berg, was zum Wort Rohrberg führte.
Das älteste Dokument, das über den Rohrberg berichtet, ist im Archiv des Domkapitels zu Sitten zu finden. Auf einer Pergamentrolle aus dem Jahre 1270 ist zu lesen:
„Johann Brenno von Gamsen schuldet dem Domkapitel Zinse von Gütern, gelegen auf dem Rohrberg, nämlich auf vier Fischel Mattland gelegen ‚in dem Boden‘ neben des Heinrich Tussen und zwei Fischel
Matten gelegen ‚am Fels‘ neben der alten Käserei. Ferner noch auf seinen Anteil Wald und unkultivierten Boden im Rohrberg.“
Der Ort „im Boden“ liegt zuunterst der Rohrbergalpe. Neben der verwitterten Alphütte von 1557 befindet sich eine zerfallene Hofstatt, die die Käserei gewesen sein kann, von der auf dem Pergament berichtet wird.
Ein weiteres Dokument, das ebenfalls über den Rohrberg berichtet, stammt aus dem Jahre 1320. Auf dieser bischöflichen Pergamentrolle steht, dass im Jahre 1320 das Domkapitel weitere Güter in der Steinegge besass. Das Domkapitel verlieh diese Güter an Wilhelm Freiden, der dafür 16 Schilling zahlte. (20 Schilling = 1 Pfund – ein Pfund galt bei der Umrechnung von 1852 1.06 Franken.)
Auf der ältesten Walliser Karte, gedruckt in der Kosmographie des Sebastian Münster 1545 in Basel, nach einer Vorlage des Wallisers Johann Schallbetter, ist südlich zwischen Glis und Visp das Wort „Rohrberg“ zu sehen. Nach Anton Gattlen, Walliser Jahrbuch 1954, dürfte diese Karte vor 1536 entstanden sein.
Es ist anzunehmen, dass das ganze Gebiet des Rohrbergs damals bischöfliches Gut war. Bis ins späte Mittelalter führten die Bischöfe des Wallis die weltliche und geistliche Gewalt aus und waren daher auch Besitzer verschiedener Güter. Für die Verwaltung seiner Grafschaft setzte der Bischof verschiedene Dienstleute ein. Der Viztum übte die Gerichtsbarkeit aus, der Meier verwaltete die Güter, der Mistral war der Gehilfe des Meiers und der Weibel war Ortspolizist. An die Stelle des Viztums trat später der Landvogt und der Kastlan, der Nachfolger des Meiers war. Als die weltliche Herrschaft des Bischofs allmählich zu bröckeln begann, übernahmen seine Lehensleute, Dienstleute oder Beamte Güter des Bischofs in Besitz. Im Jahre 1634 musste der edle Bischof Hildebrand Jost endgültig auf die weltliche Herrschaft des Wallis verzichten. Da nahmen auch Landeshauptmänner, Weibel und Kastläne Besitz von bischöflichen Gütern.
Mehrere Jahreszahlen auf Giltsteinöfen beweisen, dass im 16. Jahrhundert im Rohrberg private Alphütten entstanden: 1557 das Grafenhaus (Zeiter Johann), 1561 das Birgerhaus (Truffer Severin) und 1565 das heutige Kapellenhaus. Im ersten Stock des Kapellenhauses steht auf dem Giltsteinofen neben der Jahrzahl 1565 ein Wappen von Peter Kaufmann, der von 1539–1574 Pfarrer in Visp war.
Am 16. September 1697 wurde Franz Joseph Burgener in Visp geboren. Er war der Sohn des Johann Jodok Burgener und der Anna Cäcilia Lambien. Als Franz Joseph zehn Jahre alt war, trat sein Vater 1707 für 14 Jahre an die Spitze des Landes (Landeshauptmann von 1707–1721). Franz Joseph war noch nicht zwanzig Jahre alt, als er sich am 29. Januar 1717 in Visp mit der edlen Tochter Maria Patientia Venetz vermählte. Im November 1717 wurde Franz Joseph Kastlan des Zenden Visp. Nach dem Tode seines Vaters im September 1721 wurde er Zendenhauptmann von Visp, später Grosskastlan von Eifisch und Bagnes, Landvogt von Monthey, Kommissär der Strassen bis zur Morge, Oberst, Abgeordneter und Gesandter der Republik Wallis.
Reichlich erfahren in allen Geschäften und Sorgen des Landes, wurde er 1742 Landeshauptmann. Dieses höchste Amt der Republik übte er bis 1761 aus. Er starb am 16. Januar 1766.
Über Vermögen, Güter und Häuser der Familien Burgener ist in Urkunden einiges aufgezeichnet. Dass der Vater von Franz Joseph als Landeshauptmann Güter im Rohrberg erworben hat, ist nirgends festgehalten.
Fakt ist: Das heutige Kapellenhaus hält auf dem linken Bindbalken der angebauten Stube folgende Inschrift fest:
HOC-OPUS-FIERI-FECT-F-I-BURGENER-CAPT-A-M-P-VENETZ-CONIUGES-ANNO-1725
Übersetzt: „Dieses Haus ist gebaut worden von F.J. Burgener, Hauptmann, hat zur Ehefrau genommen A.M.P. Venetz – im Jahre 1725.“
Die eingemeisselte Inschrift auf der Stubenbinne hält fest, dass Franz Joseph Burgener im Jahre 1725 diesen Holzbau an das früher erbaute Steinhaus von 1565 angebaut hat und daher die Burgener auch Eigentümer dieses Hauses waren. Gemäss Eintragungen im Rechnungsbuch der Rohrbergerwasserleitung waren zu dieser Zeit auch verschiedene Güter in ihrem Besitz. Die Vogteiliste der Rohrbergeri enthält einige Namen der Ahnentafel Burgener.
Landeshauptmann Moritz Anton Fabian Wegener (1718–1792) war Besitzer des Wegenergutes. Das Gut hat er durch die Heirat der Tochter Maria Cäcilia von Franz Joseph Burgener geerbt. Sein Nachfolger vom Rohrberggut wurde sein Sohn Moritz Anton Joachim, der von 1793–1803 Zendenhauptmann von Brig war. Seine Tochter Maria Josepha Xaveria Aloisia Rosina Patientia heiratete 1802 Dr. med. Alois Arnold aus
Simplon Dorf, Kastlan der Gemeinde Glis und des Freigerichtes Eggen-Wald. Ihr einziger Sohn Alois (1803–1865) war Jesuitenpater. Ihm fiel das Wegenergurt erblich zu, das er 1834 dem Kollegium von Brig als Legat schenkte.
Joseph Johannes Theodul Schaller, Weibel des Zenden und der Burgerschaft Visp und sein Bruder Andreas bauten 1821 das heutige Burgenerhaus, das 1899 von Adolf Burgener-Bayard erweitert wurde.
Güter im Rohrberg besass auch Adrian de Courten von Siders. Pfarrer Dr. Adrian de Courten war von 1791–1820 Pfarrer von Visp. Die zweite Gemahlin von Anton Alois Burgener war Antonia de Courten.
Landvögtin Catharina Zurbriggen, geborene Zurkirchen (1766–1830), Tochter des Notars Johann Michael Zurkirchen, Kastlan von Visp, war verheiratet mit Moritz Zurbriggen, besass verschiedene Güter westlich des Kapellenhauses und nordöstlich der Kapelle.
Weitere Grundbesitzer waren Adrian und Katharina Zurkirchen und Peter Joseph Zurkirchen von Vispbach. Auch Kastlan Peter Joseph zum Wyer von Vispbach besass Güter im Rohrberg.
